Hallo allerseits. Die Idee zu dem Thread hatte ich eigtl. schon länger und genau genommen ist das auch nicht wirklich ein neues Diskussionsthema, aber es würde mich doch interessieren wie einige dazu stehen:
Plot vs. Gameplay.
Ich schreibe das heute, weil ich vorhin ein Zitat von David Jaffe (Schöpfer von God of War I und dem kommenden Twisted Metal) gelesen habe. Er meint nämlich, dass sich viele Entwickler zu sehr auf die Geschichte konzentrieren. So kritisiert er z.B. den Anfang von "Batman: Arkham City", in dem man Bruce Wayne/Batman in Handschellen steuert und nur minder Einfluss auf die Umstände hat (sprich, man kann nur rumlaufen und sich umschauen) Auf der anderen Seite lobt er Spiele wie Skyrim (das man bei Skyrim am Anfang auch absolut NICHTS machen konnte hat er wohl vergessen).
Hier mal das weitere Zitat dazu:
A lot of these people will say ‘I have something to say, I have a story to tell.’ If you’ve really got something inside of you that’s so powerful, like a story you’ve got to share or a philosophy about mans place in the universe, why in the fuck would you choose the medium that has historically, continually been the worst medium to express philosophy, story and narrative?” he scorned, as reported by GamesIndustry.
“Why wouldn’t you write a book, why wouldn’t you make a movie? It’s like being one of the world’s best chefs and working in the world’s best restaurants, you ply your trade in McDonalds.”
“I think we need to adjust our thoughts, we need to change what we think this medium is. We’ve let the gameplay muscle atrophy,” he added.
Ich möchte hierbei noch erwähnen, dass Jaffe in Zukunft mehr Browser- und Casualgames machen möchte respektive evtl. irgendwann was für die neuen Konsolen.
Nun, wie steht man zu sowas. Als angehender Entwickler kann ich dem absolut nicht zustimmen. Jeder Entwickler hat da seine eigene Sichtweise, betrachtet man das ganze aus akademischer Sicht ist das ein Streitthema, das seit Jahren vorherrscht: Ludologen vs. Narratologen. Während, grob erklärt, Ludologen auf das Gameplay fixiert sind und Story(telling) sozusagen nur Mittel zum Zweck darstellt, sehen Narratologen weitaus mehr im "Spiel". Ein relativ bekanntes Zitat hierbei eines Ludologen ist: "If I throw a ball at you, I don't expect you to drop it and wait until it starts telling stories."
Was ich persönlich im Übrigen für ziemlich bescheuert halte, da das Ballspiel in keinerlei Kontext zu etwas steht. Ich für meinen Teil bin da stark ideologisch. Ich denke, das Videospiel kann so viel mehr sein. Es MUSS nicht, hat aber Potenzial. Ich wollte immer etwas in RIchtung "Geschichten Erzählen und Leute zum Nachdenken anregen" machen. Ich hätte auch ein Regisseurstudium machen können oder Bücher schreiben können. Aber ich dachte mir, es ist eine durchaus interessante Herausforderung das Medium "Videospiel" herzunehmen und eines Tages ein Spiel zu kreiieren, dass den Spieler so flashen kann, wie mich Filme oder Bücher umhauen.
Schriftsteller, Philosophen etc. wie Sokrates, Schiller, Dostojewski hatten alle das Ziel den Meschen in positive Bahnen zu lenken, zu einem besseren Wesen zu erziehen. Ich denke Spiele haben dieses Potenzial, aber das geht nur bedingt mit Gameplay. Storytelling ist immens wichtig. In meiner kompletten Spielelaufbahn haben mich nur 4 Spiele auf solch eine Art und Weise berührt. Ich denke, es wäre einfach vergeudetes Potenzial des Mediums nicht mehr zu wagen als nur Gameplay.
Betrachtet man andere Kunstfacetten: Bilder, Musik, Film. Wo stünden wir heute, wenn Maler, Musiker und Filmemacher nicht neues ausprobieren würden. Man muss an seine Grenzen gehen und darüber hinaus, wir hätten sonst keine expressionistischen Bilder, keine Grungemucke, keine Arthousefilme.
Wie steht ihr dazu?