Wer noch nie etwas von Ar tonelico gehört hat, der ist wohl kein Fan von japanischen Rollenspielen. Denn schon auf der PlayStation 2 begeisterte diese Serie mit einem etwas ungewöhnlichem Spielprinzip. Besonders im Westen war es etwas sehr neues. So hat sich NISA auch dieses mal entschieden den letzten Teil dieser Trilogie im Westen zu veröffentlichen. Also vorab wieder ein „Es lebe Hoch!“ auf NISA!


Wir befinden uns im Blue Canyon Hamlet. Hier lebt ein Junge mit weißen Haaren. Ja, weiße Haare. Er ist aber kein Verwandter von Benjamin Button, sondern einfach nur ein Opfer von Gust, die für dieses Spiel verantwortlich sind. Aoto liegt eines Tages in seinem Zimmer, als vor seiner Tür etwas geschieht, das sein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Eine Frau in Ritterrüstung wird augenscheinlich von der Armee bedroht und ein älterer Herr liegt im Sterben neben ihr. Mit Heldenmut, wie ihn Aoto ihn nun mal besitzt, stürzt er sich in den Kampf und rettet das Mädchen. Doch plötzlich verwandelt sich das Mädchen in ein anderes. Ihr Name ist Saki, und der im Sterben liegende bittet Aoto auf sie Acht zu geben. Saki ist eine Reyvatail. Reyvatail sind von Menschen geschaffene Wesen, die auch wie Menschen aussehen, aber noch besondere Fähigkeiten inne haben. Diese können mit Hilfe von Liedern, die in der göttlichen Sprache Hymnos geschrieben sind, Wunder bewirken. Welche Aufgabe Saki inne hat, wird Aoto erst im Laufe seines Abenteuers klar. Doch er muss sich nicht alleine auf den Weg machen. Sein bester Freund Tatsumi, Finnel, eine weitere Reyvatail, und Hiraki Gojo, ein Arzt für Reyvatail, unterstützen ihn tatkräftig bei dieser Mission. Ohne einen Antagonisten wäre es aber kein richtiges Abenteuer, oder? Diesen Part übernimmt der Archia Think Tank, die mit ihren Wertvorstellungen wie der Welt geordnet werden soll auf großen Widerstand bei Aoto treffen. Wer die beiden Vorgänger kennt, der wird sich in der Geschichte gleich heimisch fühlen, denn dieser Teil bringt die Reise durch Sol Ciel, Metafalss und Ar Ciel zu einem Ende. Doch wie es endet, ist einem selbst überlassen. Ar tonelico Qoga trumpft nämlich mit 8 möglichen Enden auf.


Hier machen wir nun auch einen Einstieg ins Gameplay. Ar tonelico Qoga spielt sich wie seine Vorgänger, nur das es diesmal keine 2D Welt mit Sprits mehr ist. Die Sprits wurden gegen Polygon Figuren ausgetauscht, die Grafik deutlich verbessert, und das Kampfsystem wurde auch merklich überarbeitet. Die Spielwelt besteht aber immer noch zum großen Teil aus von Hand gezeichneten Gebieten, durch die man dann mit seiner Spielfigur läuft. Vor allem die sehr schönen Hintergründe tragen sehr zur Atmosphäre bei. Man fühlt sich einfach in eine andere Welt versetzt, und es kommt fast ein Spielgefühl von PS2 RPG Flair auf, da Ar tonelico Qoga sehr viel klassisches, eben altbewertes, bietet. So gibt es immer noch Zufallskämpfe. Es sind keine Areale durch die man läuft und schon vorher sieht gegen welchen Typ von Gegner man gleich kämpfen wird. Wer sich nicht mit den modernen Gegebenheiten identifizieren kann, der wird sich bei diesem Titel auf alle Fälle heimisch fühlen.

Was Ar tonelico schon immer ausgezeichnet hat, war der kleine Balken am unteren rechten Bildschirmrand. Dieser verändert seine Farbe von Blau zu Rot beim laufen durch die Gebiete. Er ist Indikator für die Wahrscheinlichkeit eines Kampfes. Nach einem gewonnenen Kampf leert sich dieser immer mehr. Wenn er einmal leer ist, muss man das Gebiet verlassen um wieder eine Möglichkeit auf Kämpfe zu haben. Möchte man also ein großes Gebiet in Ruhe erkunden, so muss man bloß den Balken leer machen. Eine sehr sinnvolle Mechanik, denn irgendwann gehen jedem die Zufallskämpfe auf den Senkel, wenn man einfach nur einen Gegenstand sucht, oder zum unzähligsten Male ein Gebiet durchquert.

Die Gebiete in Ar tonelico Qoga reichen von üblichen Höhlen, Bergregionen bis hin zu futuristischen Gebäuden. Durch das vielfältige Design wird es einem nie langweilig, und ohnehin wird einem für das Auge sehr viel geboten. Nun zu einem der Kernpunkte von Ar tonelico. Die Konversationen. Die Gespräche von Ar tonelico finden per Textbox statt. Über diesen Textboxen sind liebevoll gezeichnete Bilder der Charaktere zu sehen, die gerade das Wort erhoben haben. Je nach Stimmung verändern sie auch mal die Pose, oder den Gesichtsausdruck um ihren Emotionen mehr Ausdruck zu verleihen. Doch im Vergleich zu anderen Spielen, die ebenfalls auf dieses Prinzip setzen, wirkt Ar tonelico Qoga etwas arm an Vielfalt. Dieses wird aber mit dafür mit dem wunderbaren Artwork der Charaktere wieder wett gemacht. Hat man einen besonderen Erfolg errungen, oder eine wichtige Entscheidung getroffen, bekommt man auch mal ein Bild für die Galerie. Oder sieht eine Szene wie aus einem Anime. Diese treiben für gewöhnlich die Story voran. Wie auch schon bei den Vorgängern muss man wieder wichtige Entscheidungen treffen. Diese sind unabdingbar für das Ende, auf das man steuert. Zudem beeinflusst es auch die Gespräche mit den anderen Figuren im Verlauf der Geschichte.


Mit der Zeit schaltet man Talktopics frei. Talktopics sind immer für eine bestimmte Reyvatail. Diese Talktopics sind nicht wichtig, wenn man das Spiel nur durch rushen möchte. Aber wer spielt auch schon ein RPG, wenn er nicht an der Geschichte und den Nebengeschichten interessiert ist? Diese behandeln in der Regel die aktuellen Ereignisse, die Beziehung zu anderen Frauen (Achtung! Eifersucht!), aber auch ganz lapidare Sachen wie ein Gericht im Restaurant. Für einen Lacher wird in diesem Spiel aber auf jeden Fall gesorgt. Einen wichtigen Aspekt haben Talktopics dann aber doch. Ohne bestimmte Talktopics kann man in der Cosmosphere nicht weiter kommen. Was ist aber eine Cosmosphere? Die Cosmosphere ist etwas, was nur eine Reyvatail besitzt und ist vergleichbar mit dem Verstand eines Menschen. In der Cosmosphere schaltet man neue Hyuma frei, neue Persönlichkeiten und natürlich die nächste Ebene der Cosmosphere. Jede Cosmosphere ist einzigartig und spiegelt die Persönlichkeit der Reyvatail wider. So erlebt man in jeder Cosmosphere, ja auf jeder Ebene in dieser, eine neue Geschichte. Doch was sind jetzt schon wieder Hyumas? Hyuma sind kleine Geschöpfe, die in der Cosmosphere der Reyvatail leben und bestimmte Eigenschaften verkörpern. Diese kann man im Kampf dann auch praktisch anwenden. Und wie spielt es sich überhaupt in der Cosmosphere? Wenn man japanische Dating Simulationen kennt, wie es sie zu Hauf für die PSP zum Beispiel gibt, dann hat man einen ganz guten Ansatz dafür, wie es sich hier spielt. Es gibt eine Karte mit Orten, auf die man gehen kann. Wenn dort ein Event zu erleben ist, dann erkennt man das an einem Stern neben dem Namen des Ortes. So lernt man die Reyvatail mit der Zeit immer besser kennen, in der man sich gerade befindet. Und wer weiß, vielleicht auch auch zu lieben?

Das Kampfsystem wurde im Vergleich zum Vorgänger an die neuen Polygonfiguren angepasst. So könnte man auch sagen, es wurde zugänglicher gemacht. Der Kampf läuft nun in Echtzeit ab, man kann sich frei bewegen und übernimmt die Kontrolle über einen Leader. Der Leader markiert hierbei allerdings nur die Figur, die man selbst steuert. Die anderen beiden agieren KI gesteuert. Den Großteil der Zeit machen sie ihre Aufgabe auch recht ordentlich. Der beste Freund im Kampf ist die Viereck Taste, denn damit greift man den Gegner an. Drückt man zu Beginn eines Kampfes diese, läuft der Charakter sogar von allein zum nächsten Ziel. Mit den Tasten auf dem Digi-Pad kann man an die übliche 3er Hit Kombo auch noch verschiedene Abschluss Angriffe hängen. Wenn man diese denn beherrscht. Die wahre Macht im Kampf ist allerdings die Reyvatail, die man als Unterstützung gewählt hat. Mit dem Treffen der richtigen Töne in der Burst Leiste steigert man die Macht der Reyvatail. Zu bestimmten Punkten ist es der Reyvatail dann möglich zu strippen. Ja! Es gibt Haut zu sehen! Je mehr Kleidung die Reyvatail ablegt, desto mächtiger sind ihre Angriffe. Ein Glück sind es keine Männer, die sich hier nackig machen... aber für die ein oder andere Überraschung sorgt Ar tonelico Qoga dann doch noch. Hat man einen Kampf soweit, dass man drei mal strippen konnte, was man übriges mit den Schultertasten zum Auswählen eines Elements, auf welche man die erwähnten Hyumas legen kann, und dem schütteln des Controllers auslöst; hat man mit dem vierten die Möglichkeit einen sogenannten Flipsphere Angriff auszulösen. Der Schaden dieses Angriffs hängt vom persönlichen Können ab. Denn man muss in einer Art kleinen Minispiel Töne auf der Burstleiste treffen, sowie darauf achten wie hoch die Zahl neben der Burst Leiste ist, denn dies sind die Faktoren für den Schaden, die der Flipsphere Angriff verursacht. Hier kommt dann auch wieder die Cosmosphere ins Spiel. Denn eine Reyvatail ist nur so nützlich, wie die Hyuma, die Boni wie Attack Plus und ähnliches bieten, die sie trägt.


Neben all diesem Kämpfen bietet das Spiel einem aber auch die Möglichkeit Items zu schmieden. Drum wird ein fleißiger Sammler auch mit guten Rezepten belohnt. Und nur so sind auch später bestimmte Gegenstände dann auch im Laden zu erwerben. Damit der gewählte Gegenstand hergestellt werden kann, braucht man wiederum andere Gegenstände die man verwerten muss. Je nachdem welche Reyvatail man gewählt hat, kann man dem Item auch noch einen speziellen Namen geben. Beim Soundtrack gibt sich die japanische Elite die Hand. So wirken bekannte Interpreten wie KOKIA, Akiko Shikata und Haruka Shimotsuki mit. Kaum ein Soundtrack fesselt einen wohl so wie der von Ar tonelico. Die Tracks sind traumhaft schön und bringen einen Regelmäßig zum aufdrehen der Anlage wenn wieder ein Bosskampf ansteht, oder ein wichtiger Augenblick die passenden Klänge braucht. Aber auch die normale Untermalung beim laufen durch die Städte und Dungeons kann sich hören lassen. Wer ein Faible für Katzen hat, sollte Akiko Shikata wohl besonders gut zuhören. Nya!

Ar tonelico Qoga macht nicht wirklich viel falsch. Die Story ist spannend, bietet viele lustige und traurige Momente, und für Veteranen der Serie wird auch oft genug Bezug zu den Vorgängern genommen. Das Kampfsystem ist schön dynamisch, wenn auch nicht so gut wie es einmal war. Die Grafik ist schön anzusehen und für einen von NISA veröffentlichten Titel sogar richtig klasse. Das Gameplay überzeugt, und mit seinen vielen Möglichkeiten wird einem auch nicht langweilig während den gut 60-70 Stunden, die es einen beschäftigt, wenn man alle möglichen Enden erspielen möchte. Das absolute Highlight ist aber der Soundtrack mitsamt der Hymnen, die von KOKIA und Akiko Shikata einen wahrhaftigen Ohrenschmaus bieten. Ich liege hier wohl auch nicht falsch, wenn ich behaupte, dass Ar tonelico Qoga eines der besten J-RPG, wenn nicht sogar RPGs im Allgemeinen, auf der PlayStation 3 ist.